Die Sueven auf der Iberischen Halbinsel

Gallaecia Sueva - ab 411 das Königreich der Sueven Die römische Provinz Gallaecia, ab 411 das Königreich der Sueven

„Sueven“ ist eine Bezeichnung, die sich auf Menschen bezieht, die zu römischer Zeit insbesondere zwischen der Ostsee und den deutschen Mittelgebirgen siedelten.

 

Zur Zeit der Völkerwanderung überquerten germanische Stämme im Jahre 406 den Rhein bei Mainz, darunter Sueven, Alanen und Vandalen. Sie erreichten 409 die Iberische Halbinsel.

 

Dort schlossen die Sueven mit dem weströmischen Kaiser Honorius im Jahre 411 einen Föderatenvertrag. Dies war für die Sueven ein historisches Ereignis mit weitreichenden Folgen. Ihnen (und den asdingischen Vandalen) wurde die römische Provinz Gallaecia im Nordwesten der Iberischen Halbinsel zugeteilt und die Sueven gründeten dort ein Königreich. Nach den historischen Quellen sollen zunächst zwischen 20.000 und 35.000 Sueven im Nordwesten der Provinz Gallaecia sesshaft geworden sein. Die Hauptsiedlungsgebiete der Sueven waren die Regionen um Braga, Lugo und Astorga. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Nachricht von der Gründung des Suevenreichs schnell verbreitete und dass sich weitere Sueven aus Germanien auf den Weg machten, der heute auch Sternenweg oder Jakobsweg genannt wird.

 

Das Suevenreich wies alle Merkmale eines frühmittelalterlichen Königtums auf. Dazu gehörten beispielsweise eine geregelte Thronfolge, das Münzrecht, der Königsschatz und die Kirchenhoheit. 

Die Identität der Sueven in Gallaecia

Gallaecia Sueva - Grabplatte der Suevin Ermengon Grabplatte der Suevin Ermengon, gestiftet von ihrem Gemahl Ingomar

Die asdingischen Vandalen zogen bereits im Jahre 420 weiter nach Süden und nach Nordafrika, sodass danach das gesamte Gebiet der römischen Provinz Gallaecia dem Königreich der Sueven angehörte. Bei der Verwendung der Bezeichnungen „Vandalen“ und „Sueven“ ist zu beachten, dass es sich dabei um bunt gemischte multiethnische Gruppen handelte. Mit den Vandalen zogen auch Sueven, so die Suevin Ermengon, ihr Gemahl Ingomar und die Suevin Suabila.

 

Die Völkergemeinschaft der Sueven entwickelte erst auf ihrem jahrelangen Weg nach Hispanien und in den Jahren der Formung des suevischen Königreichs eine gemeinsame Identität. Allerdings wissen wir heute, dass einige der Sueven, darunter Angehörige der Königsfamilie des ersten suevischen Königs Hermerich (Ermenrich), sich selbst als Sueven bezeichneten. Auf der Grabplatte der Suevin Ermengon ist ihre Identität in der westgermanischen Lautgestalt als "Ermengon Suaba" angegeben.

 

Bei der frühmittelalterlichen Herausbildung eines Bewusstseins für die Zusammengehörigkeit als menschliche Gemeinschaft spielten gemeinsame prägende Einflüsse und das gemeinsame Schicksal in der neuen Heimat eine wichtige Rolle. Die Merkmale eines Wir-Bewusstseins der Sueven könnten sich bezogen haben auf verwandtschaftliche Aspekte, auf ein gemeinsames Territorium, eine gemeinsame Geschichte, Kulte und Kultur (z.B. Traditionen, Werte, Symbole, Glauben, etc.). Die ethnische Identität der Sueven in Gallaecia war sicherlich veränderlich, situationsabhängig und durch soziale und politische Verhältnisse geprägt.

 

Die Entwicklung einer ethnischen Identität und einer Selbstbezeichnung als „Sueven“ ist  auf der Iberischen Halbinsel ab dem 5. Jahrhundert bis zum 7. Jahrhundert gut belegt. Selbst zu Beginn des 8. Jahrhunderts bestand das Suevenreich als geografische Einheit und eigenständiges Herrschaftsgebiet innerhalb des Westgotenreichs fort. Die Identität als Sueven blieb im Nordwesten der Iberischen Halbinsel noch mindestens bis zum Beginn des asturischen Königreichs im 8. Jahrhundert bestehen.

Der Name der Sierra del Sueve erinnert uns noch heute an die Sueven, die zu Beginn des 5. Jahrhunderts ihre Heimat in Germanien verlassen mussten und im Jahre 411 in Gallaecia eine neue Heimat fanden.

Dies sind Impressionen einer Wanderung entlang der nordöstlichen Grenze der ehemaligen römischen Provinz Gallaecia und des Königreichs der Sueven:
Von Cangas de Onís und Corao über Arriondas nach Cofiño

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